Leitlinien

Der Master Higher Education steht vor einigen besonderen Anforderungen:

(a) Die Studierenden haben ganz verschiedene disziplinäre Herkünfte und unterschiedliche Erfahrungen im Kontext Hochschullehre, zeichnen sich also durch eine besonders große Heterogenität aus, was eine zentrale hochschuldidaktische Herausforderung darstellt.

(b) Die Hochschuldidaktik als Gegenstand erfährt aktuell eine vor allem praktisch und politisch begründete Renaissance, muss sich aber als wissenschaftlich forschende Disziplin erst noch etablieren.

(c) Die Bedingungen des berufsbegleitenden Studierens erfordern von den Studierenden hohe Motivation und Selbstorganisation und von den Lehrenden Flexibilität und Bereitschaft zur individuellen Problemlösung.

Bei der Gestaltung des Studiengangskonzepts haben wir versucht, diesen Anforderungen mit unseren Gestaltungsmaßnahmen zu berücksichtigen, die sich zu folgenden drei Leitlinien bündeln lassen.

Forschungsorientierung

Der Studiengang ist in mehrfacher Hinsicht forschungsorientiert gestaltet und folgt damit unter anderem dem Leitbild Lehre an der Universität Hamburg:

Die Studierenden erhalten in den thematischen Modulen die Möglichkeit, verstehen zu lernen, wie man im Kontext Hochschullehre forschen und was man von welcher Forschung für die Lehrpraxis erwarten kann (und was nicht). Sie werden ermutigt, möglichst verschiedene wissenschaftliche Perspektiven auf akademisches Lehren und Lernen einzunehmen und darüber hinaus Hochschule als Ort der Forschung, Lehre und Bildung zu reflektieren.

Im Projektstudium haben die Studierenden die Aufgabe, selbst zu forschen und dabei vor allem Denk- und Handlungsweisen einzuüben, die auf die Verknüpfung von Verändern und Erkennen setzen (im Sinne einer entwicklungsorientierten Bildungsforschung).

In der Masterarbeit bekommen die Studierenden erneut die Chance, eine hochschuldidaktisch relevante Problemstellung wissenschaftlich zu bearbeiten; hier wählen sie die Art ihres Forschungszugangs selbst.

Studierendenorientierung

Der Studiengang kann pro Semester bis zu 20 Studierende aufnehmen, ist also ein kleiner Studiengang, der die verfügbaren Ressourcen effizient einsetzen muss, um der großen Heterogenität der Zielgruppe gerecht werden zu können.

Vor diesem Hintergrund treten an die Stelle thematischer Wahlbereiche  [1] andere Maßnahmen der Individualisierung:

So ermöglicht vor allem das Projektstudium den Studierenden, eine individuelle Problemstellung, orientiert an den eigenen Interessen, über mehrere Semester hinweg zu bearbeiten.

Unterschiede in methodischem Wissen und Können werden durch ein individuelles Wissenschaftscoaching aufgefangen, in dem Lehrende einzeln auf die Studierenden eingehen.

Aufgabenstellungen in Online-Phasen der Veranstaltungen sowie Prüfungen eröffnen ausreichende Spielräume, um besondere thematisch Interessen zu verfolgen.

Berufsorientierung

Der Studiengang ist auf das Berufsfeld Hochschullehre bzw. akademisches Lehren und Lernen ausgerichtet und in diesem Sinne prädestiniert dafür, forschungsorientierte mit berufsorientierten Maßnahmen zu verzahnen:

Die Studierenden beschäftigen sich nicht nur mit verschiedenen Erkenntnissen zur Hochschullehre, sondern werden in allen Modulen dazu veranlasst, die eigenen Erfahrungen aus der Lehre und/oder Tätigkeiten im Umkreis der Lehre einzubringen, zu überdenken und bei Bedarf zu transformieren.

Im Rahmen des Projektstudiums werden die Studierenden dazu angehalten und darin unterstützt, ihr erarbeitetes Wissen nicht nur untereinander zu teilen, sondern auch öffentlich und damit sowohl wissenschaftlich kritisierbar als auch in der beruflichen Praxis nutzbar zu machen.

Studierende, die selbst in der Lehre tätig sind, profitieren in besonderem Maße von der Verzahnung der Forschungs- und Berufsorientierung, die dem Ansatz des „Scholarship of Teaching and Learning“ nahesteht.


Anmerkungen

[1] Kleine Studiengänge erreichen bei Wahlangeboten sehr schnell ihre Grenzen und laufen Gefahr, sich die Quantität durch Qualitätseinbußen zu erkaufen, sodass andere Formen der Individualisierung gefunden werden müssen.

Begrüßung von Studienanfänger*innen: Audio-Einführung hier

Weitere Informationen zur Entwicklung des Studiengangskonzepts inklusive Quellenangaben: Master-Studiengangskonzept_Preprint